Die Protagonistin des Werkes, Katniss Everdeen, wäre gerne am Heldentum vorbeigekommen. Sie hätte lieber ihr Leben mit den Verletzungen der Vergangenheit in ihrem Distrikt (Distrikt 12, Bergbau und Kohle) weiter gelebt, wäre bis zum Ende ihrer Tage jagen gegangen und hätte damit ihre vier Jahre jüngere Schwester und ihre Mutter versorgt. Hilfe hatte sie dabei von ihrem Jagdfreund Gale. Aber es kommt anders. 12 Distrikte leben unter dem Regime des Kapitols, welches sie mit ihren, für jeden Distrikt eigenen, Rohstoffen versorgt. Damit es nicht, wie vor 74 Jahren einen Aufstand in den Distrikten gibt, nach dem der Ort des Aufruhrs, Distrikt 13, dem Erdboden gleich gemacht wurde, wird jedes Jahr eine Arena geschaffen, in welcher sich 24 Tribute bis auf das Blut bekämpfen und nur ein Überlebender übrig bleibt. Dazu wird per Los aus jedem Distrikt eine weiblicher und ein männlicher Tribut im Alter von 12 bis 18 Jahren gezogen. Bei den 74. Hungerspielen, mit welchen die Trilogien beginnt, ist dies die kleine Schwester der Protagonistin Primrose Everdeen. Aus der Überverantwortung einer großen Schwester, welche die Rolle der Mutter übernommen hat, nachdem diese durch den tödlichen Minenunfall des Vaters Alkoholikerin wurde, meldet sich unsere Hautperson, deren Name wesentlich öfter im Lostopf ist, als der Name der kleinen Schwester, freiwillig zu den Hungerspielen – doch eine Heldin? An ihre Seite kommt Peeta Mellark, welcher schon lange in Katniss verliebt ist. Nun kommen beide ins Kapitol um sich in der Arena zu bekämpfen. Durch das Liebesgeständnis Peetas zum tragischen Liebespaar aufgestiegenen Kämpfern, helfen sich beide gegenseitig und gewinnen durch Provokation letztendlich gemeinsam die Hungerspiele. Diese Provokation weckt in den Distrikten den Mut zum Widerstand, welcher in Teil zwei ausgearbeitet und in Teil drei (im Film Teil drei und vier) umgesetzt wird. Die Protagonistin wird nicht groß gefragt, Fäden werden dazu hinter ihrem Rücken gezogen, und durch die richtige Art und Weise der Manipulation wird sie zum Symbol des Widerstandes. Wollte sie das? Sicherlich nicht. Somit ist sie zur Heldin Widerwillen geworden, oder anders gesagt zur Antiheldin.
Was begeistert mich daran? Die Schauspielerin Jennifer Lawrence spielt ihre Rolle als Katniss Everdeen überzeugend gut. Die meisten Szenen hat sie selbst gespielt, ohne gedoubelt zu werden. Aber auch Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Stanley Tucci, Donald Sutherland, Wes Bentley, Lenny Kravitz und Willow Shields können sich in ihren Rollen sehen lassen. Dazu in den weiter Folge unter anderem Julienne Moore, Sam Claflin, Philip Seymour Hoffman, welcher sich während der Dreharbeiten das Leben nahm, und Jena Malone. Neben der Starbesetzung wartet das filmische Werk mit glanzvollen Digitalszenarien auf. Die Geschichte wird sehr gut umgesetzt und zeigt die Brutalität eines diktatorischen Regimes in einer dystopischen Welt. Brot und Spiele der damaligen Zeit sind wieder hoch im Kurs, aber diesmal in einer Arena der Superlative. Alles ist von Menschen erschaffen und mit digitalen Effekten versetzt. Feuer kann überall ausbrechen, digital entworfene Mutationen werden in die Arena entlassen, es regnet Blut und Nebel vergiftet den Körper. Wenn der Mensch nicht der Feind ist, ist es die Arena, welche von einem digitalen Kraftfeld umgeben ist. Die Tribute sind gefangen und es kann nur einer überleben. Nur einer, bis…. Katniss und Peeta erscheinen. Während der Spielmacher der 74. Hungerspiele eine interessante Show bieten will, und dabei Regeln bricht, die damit zu seinem eigene Todesurteil führen, ist der Spielmacher der 75. Hungerspiele Mitantreiber der Revolution und missbraucht die Protagonisten für diese Zwecke. Durch seinen Rat müssen Sieger erneut in die Arena, sterben dort obwohl sie nie wieder hätten kämpfen müssen, nur um die Figur der Revolution, Katniss Everdeen, den Spotttölpel, in das rechte Licht zu bekommen. Nachdem in einem dunklen dritten Teil, welcher die meiste Zeit im unterirdischen immer noch existierenden Distrikt 13, und einer zerstörten Oberwelt des, dem Erdboden gleichgemachten, Distrikt 12, gedreht wurde, wartet der letzte Teil zum sehenswerten und spannend umgesetzten Finale auf. Der Angriff auf das Kapitol wird vom Präsidenten erschwert, in dem das gesamte Kapitol einer Arena gleicht und überall tödliche Fallen zuschnappen können. Der Beginn der letzten aber 76. Hungerspiele. Das Ende des Films lässt noch mal einige überraschende Wendungen zu, mit welchen, ohne die Buchvorlage, nicht zu rechnen ist. Übrig bleiben zwei Antihelden, die eine Revolution ins Leben gerufen und diese letztlich angeführt haben, ohne so etwas jemals geplant noch im Sinn gehabt zu haben. Sie wurden nicht der Spielball der Hungerspiele, wohl aber der Distikte, des Kapitols und von Menschen, die die eine Macht brechen, aber die andere Macht aufbauen wollen. Mit ihren traumatischen Erlebnissen, welche sie weiterhin begleiten werden, sind sie in einer neuen Ära dennoch auf sich gestellt, welches der Filmreihe eine wirkungsvolles und glaubhaftes Ende beschert. Nicht nur weil die beiden „Helden“ des Films durch ihre Geschichte traumatisiert das Leben nun bewältigen müssen, sondern auch weil die Figur, für die Katniss überhaupt erst selbst in die Hungerspiele gegangen ist , die kleine Schwester Primrose, bei einem fiesen Anschlag aus den eigenen Reihen, ums Leben kommt.
Alles in allem sehr sehenswert umgesetzt, mit einer zum nachdenken anregenden Geschichte über Helden, die eigentlich keine sein wollen.